Friday 24. May 2019

Inhalt:

Schmerzhafte Freiheit

Der 2. September war der große Tag für Clara (21 Monate). Das erste Mal weg von zuhause und die Krabbelstube erobern. Clara war sehr aufgeregt und freute sich schon darauf, die anderen Kinder kennenzulernen.

Die ersten Stufen in die neue Freiheit wurden erklommen und ein nervöser Papa stand mit seiner kleinen Tochter vor dem Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt. Fremde Gerüche, ein ungewohnter Spielraum und viele neue Gesichter überforderten uns beide. Und so überschritten wir zögerlich die Schwelle in den Gruppenraum. Als Vater war es für mich Belastung und Privileg, Clara in der Eingewöhnungszeit zu begleiten. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Wird sie sich schnell an die neue Umgebung gewöhnen? Wie sympathisch findet sie die Betreuerinnen? Wird es ihr Freude machen, regelmäßig die Vormittage alleine zu verbringen?

 

Drei neue Kinder wagten an diesem Septembertag den Sprung in die erste Selbständigkeit. Zwei Mütter und ich versuchten unsere Ängste zu überspielen und uns darauf zu konzentrieren, dass schon alles gut werden wird.

 

Beim ersten kurzen Trennungsversuch der ungläubige Schrei von Clara: „Papa schaun!“ Wo geht er hin? Lässt er mich hier alleine zurück? „Nein, Clara, wir haben das ja beim Herfahren besprochen. Papa geht jetzt kurz arbeiten und kommt dann gleich wieder. Versprochen!“, versuche ihr ihr noch auf dem Weg in die Krabbelstuben-Freiheit mitzugeben.

 

Die Augen Claras sagen bloß: Das versteh ich nicht! Meine Augen antworten: Du hast es hier gut. Ein flüchtiger Kuss auf die Wange und die Tür fällt zu.

 

Die Tränen und das Schreien nach dem Papa machten es nicht leicht, draußen vor dem Gruppenraum zu sitzen und abzuwarten, ob Clara sich beruhigen wird. Es waren lange fünf Minuten. Ich dürfte ziemlich verzweifelt ausgesehen haben, denn eine der Betreuerinnen kam und legte tröstend den Arm um mich: „Am Anfang ist es für die Kleinen immer schwierig, wenn die Bindung noch so groß ist.“ Ich nickte und schluckte. Nicht nur für die Kleinen, dachte ich in mich hinein. Es wird schon gut werden. Irgendwann. Sicher!

 

Wolfgang, 36: Vater von zwei aufgeweckten Töchtern.

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