Sunday 26. May 2019

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Mehr sehen trotz Behinderung

Als Familie in Paris unterwegs, unser Sohn Bernhard sieht wieder einen Bettler: „Mama, armer Mann, keine Arbeit. Ich gehe in Schraubenstätte arbeiten, dann gebe ich ihm mein Geld".

Unser Sohn hat als Handicap Down Syndrom, arbeitet in der Behindertenwerkstätte und verdient dort mtl. 28,--.  Wenn er Bettler sieht, will er von uns immer Geld, damit er den armen Menschen helfen kann. Mit einem Lächeln wirft er dann seinen Euro in den Hut oder Becher. Womit er verzaubert ist seine Begeisterung die er weitergibt. Einmal sagte er auch, „wenn Becher voll ist, kann Mann ins Stadion gehen, das mag er auch".

 

Da fallen mir Gespräche und Berichte ein von Bettlerbanden, Taugenichts, faulen Menschen und Verbannung aus den Städten. Bernhard ist von der Situation betroffen und will helfen, er kann nicht vorbeigehen. Ich habe eben wieder weggeschaut, als mir ein Bettler die Tür des Doms aufhielt und mir den Plastikbecher mit kleinen Münzen herhielt und stumm um eine Gabe bat und einen schönen Tag wünschte. Im Weitergehen beschäftigt mich noch diese Situation, mit Bernhard wäre mir das nicht passiert.

 

Oder in Paris, als ein Mädchen auf einem Koffer saß und ein Schild hielt dessen Text ich nicht verstand. Ich ging vorbei und habe mich auf die Situation nicht eingelassen. Da fällt mir im Nachhinein ein, dass von einem Bekannten die Tochter auf der Straße lebt, und ein Anderer der auszog um das Glück zu suchen und auf der Straße lebend durch eine Überdosis sein Leben verlor.

 

Ich hatte das Gefühl, dass ich in Paris vielen Bettlern begegnet bin. Es ist diese die andere Seite der Stadt der Liebe, der Museen und des Luxus.

 

Urlaub heißt sich vom Augenblick betreffen lassen auch wenn er irritiert. Es ist dies eine Chance für Begegnungen, die nicht geplant sind. Die wenigen Euro für Bettler kommen mir lächerlich vor im Vergleich zu einem normalen Abendessen in Paris für die Familie mit € 100,-- oder einem kleinen Bier um € 6,-- im Gastgarten. Danke für den Blick von Bernhard, der mir die Augen für viele Dinge öffnet, die ich übersehen würde. Wessen Verdienst ist es, dass ich auf dieser Seite unterwegs bin, ist es nicht doch ein Geschenk?

 

Einmal sagte jemand:" Es gibt manche Bettler die es ausnützen, aber ich kann das nicht beurteilen und es könnte einer darunter sein, der es ganz dringend nötig hat. Es täte mir leid, wenn ich ihm nichts gegeben hätte".

 

Durch die Begegnung mit den Bettlern bin ich sicher nicht ärmer geworden.

In Guatemalacity erlebte ich, wie ein Bettler einer alten bettelnden Frau etwas von seinem Erbettelten gegeben hat.

 

Hannes: Vater von 3 Kindern

 

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